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AD(H)S wird heute als Krankheit angesehen. Die
Verhaltensweisen der betroffenen Kinder gelten insofern als krankhaft.
Dafür werden viele (zum Teil) noch unbewiesene
Erklärungstheorien gebildet. Diese reichen von genetisch bedingten
Stoffwechselstörungen im Gehirn über Fehler in der Erziehung
bis hin zu gesellschaftlichen und auch esoterischen Erklärungen.
Man versucht also Verhaltensweisen von Kindern durch eine belastete
Beschaffenheit ihres Wesens zu erkären! Aber vielleicht gibt es da
gar nicht viel zu erklären. Vielleicht sind sie einfach so wie sie
sind, und es handelt sich einfach um Verhaltensweisen, mit denen die
Erwachsenen eben Probleme haben. Vielleicht auch nur, weil sie nicht
wissen, wie sie damit umgehen sollen: Sich darauf einlassen, es
bekämpfen, es als Hinweis auf etwas Unbekanntes sehen? Es ist
schwer, denn das Verhalten der Kinder lässt einem anscheinend
keine Zeit.
Systemisch betrachtet ist ADS nicht das Problem sondern
eine Lösung: Ein unbekanntes Problem wird durch ADS gelöst.
(Ein kleines Beispiel soll dies verdeutlichen. Der kleinere von zwei
Brüdern galt schon immer als intelligenter. Jetzt mit Eintritt in
die Schule soll er den Eltern beweisen, dass er bessere Noten als sein
großer Bruder erreichen kann. Das bringt den Kleinen in einen
Loyalitätskonflikt, denn einerseits mag er seine Eltern nicht
enttäuschen, andererseits aber seinen großen Bruder nicht
übertrumpfen und evtl bloßstellen [unabhängig davon ob
der Große ihm womöglich auch gedroht hat]. Er kann es also
nicht allen recht machen. Er muss
jemanden seiner Familie enttäuschen! Für diesen Konflikt kann
AD(H)S eine
Lösung darstellen.)
Bei der systemisch orientierten Beratung machen wir uns
auf die Suche nach solchen (durch ADS gelösten) Konflikten. Und im
nächsten Schritt suchen wir nach Möglichkeiten, wie die
betroffenen Familien solche versteckten Konflikte anders als durch ADS
lösen
können.
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